Vernissage von Mario Bragato in der Galerie M

 

Kirchstetten - Hinterholz - Venedig - San Erasmo

Der Maler Karl J. Mayerhofer lernte bei einer seiner Vernissagen in der Galleria San Vidal in Venedig Mario Bragato kennen. In ihren Bildern fanden die Künstler zueinander, und so lud Mario Bragato die Familie in sein Haus auf der Grünen Insel San Erasmo ein. In Bragato’s Atelier war der Entschluss rasch gefasst und die Einladung zu einer Vernissage in der Galerie M ausgesprochen.

So präsentierte der kulturkreiskirchstetten am Samstag, den 2.März, die Werke Mario Bragatos und Karl J. Mayerhofer durfte trotz des stürmischen Wetters zahlreiche Gäste aus nah und fern begrüßen. Die Laudatio sprach Frau Mag. Silvia Schweighofer, die sich sehr intensiv mit dem Künstler und dessen Werk auseinandersetzte. Lange Zeit war Mario Bragato als Bühnendesigner am weltbekannten Theater "Gran Teatro la Fenice" tätig und seine Leidenschaft, das Malen, in allen Varianten auszuüben. Seine Werke, gemalt in stimmungsvollen Farben und oft konturiert mit einem kräftigen Rot, sowie zahlreiche Skizzen für Theater und Oper begeisterten die Gäste. Unter ihnen Bgm. Johann Dill, Vzbgm. und Kulturreferentin Maria Rollenitz, GGR Elfriede Schneider-Schwab, GGR Johann Alt sowie die Künstlerkollegen Susanne Hiess, Christine Felkel, Fritz Weinauer, Geri Berger, Ferdinand Ernst Böckl und viele mehr.

Eine sehenswerte Ausstellung, die bis Ende März in der Galerie M in Kirchstetten-Hinterholz täglich - außer Sonntag - von 17.00 bis 20.00 zu besichtigen ist.

Information unter 0676-333 12 21

Foto von links nach rechts:
Elfie Schneider - Schwab, Stadtrat Manfred Schweighofer, Mag. Silvia Schweighofer, Mario und Graziella Bragato, Bgm. Johann Dill, Karl J. Mayerhofer, GGR Johann Alt, Vizebgm. Maria Rollenitz

Laudatio von Mag. Silvia Schweighofer

 

Auf 116 Inseln breitet sich in der Laguna Veneta eine der schönsten Städte der Welt aus – Venedig. Das ist unbestritten ein Inbegriff urbaner Harmonie, ein Denkmal künstlerischer Genialität. Seinen gleichsam überirdischen Reiz verdankt Venedig dem Wasser, den vielen Kanälen, in denen sich alle Pracht der Stadt wiederspiegelt.

Hier lernte Karl Mayerhofer im Sommer 2007 bei seiner Vernissage in der Galeria San Vidal am Campo San Zacharria den Künstler Mario Bragato kennen.

MARIO BRAGATO

Mario Bragato wurde 1940 in Venedig – in der Stadt wo die Schönheit Regie führt, geboren und verbrachte hier seine Jugend. Er hat am „Istituto d’Arte“ von Venedig Malerei studiert, und unter seinen vielfältigen künstlerischen Aktivitäten dominieren vor allem das Bühnendesign und die Malerei. Grundlegend für die Tätigkeit als Theatermaler, die Mario Bragato am „Gran Teatro la Fenice“ ausgeübt hat, sind die Erfahrungen, die er im „Laboratorio di scenografia Parravicini“ im Rom hat sammeln können. Seine zahlreichen Arbeiten als Bühnenbildner für europäische und lateinamerikanische Theaterkompanien – hier wäre unter anderem das „Theater für Kinder“ in Hamburg zu erwähnen – vervollständigen das Berufspanorama.

Der Bogen der Ausstellungen spannt sich von der 48`Bevilacqua la Masa 1960 bis zur heutigen – hier in der Galerie M. in Kirchstetten, und schließt zahlreiche persönliche als auch kollektive Ausstellungen in Italien und Europa ein. Mario Bragato ist Mitglied der „l’Associazione Culturale Europea di Venezia“ sowie der Gruppe „Barique“.

Zur Zeit lebt Mario Bragato auf der Insel Sant´Erasmo, die auch „Garten Venedigs“ genannt wird, in der Lagune von Venedig. Eine Insel mit ca. 500 Einwohnern, an deren Nordspitze (Punta Vela) sich noch Reste von ehemaligen Befestigungs- und Verteidigungsanlagen aus der k.u.k. Zeit der Habsburger finden. Hier befinden sich einige verstreut liegende Häuser, die von Künstlern bewohnt werden. Eines davon gehört Mario Bagato, wo ihn Karl Mayerhofer in seinem Atelier besuchte und beeindruckt war von der ruhigen, grünen Insel in der venezianischen Lagune, wo noch immer die Gezeiten und das stete Wechselspiel marino – lagunare den Rhythmus des Insellebens bestimmen. Beide Elemente treffen vor Sant'Erasmo aufeinander, und das helle Blau der Adria vermischt sich mit dem von Sümpfen durchzogenen Grün der Lagune zu changierenden Zwischenfarben.

 

Überblickt man die Kunst unserer Zeit, dann bemerkt man bald, dass ihr offensichtlich das einigende „geistige Band“ fehlt, das frühere Kunstepochen vergleichsweise auszeichnet. Vieles hat heute nebeneinander Platz, viele konträre Ideen und Konzepte, die unterschiedlichsten Gestaltungsweisen, Stile und Stillosigkeiten. Kunst bewegt sich heute zwischen Extremen: Zwischen strenger Ordnung und Chaos, zwischen radikaler Vereinfachung und hochgradiger Strukturiertheit, zwischen Perfektion und Brüchigkeit, zwischen hypergenau abgebildeter Gegenständlichkeit und völliger Gegenstandslosigkeit, zwischen Erhabenheit und Banalität.

Beim Aquarell als Königsdisziplin der Malerei stehen sowohl die technischen als auch die bildgestalterischen Elemente im Vordergrund. Wesentlich ist es, dem Bild sein Entstehen zu ermöglichen.

Aquarellieren ist sinnlich im buchstäblichen Sinn – man erlebt die Vielfarbigkeit von Licht und Schatten und spürt der Antwort der Flächen, Kuben und der flüchtigen Dinge nach.

Mario Bragato versucht die Realität in seinen Bildern zu abstrahieren und die eigenen Gedanken und Gefühle einfließen zu lassen.

Den Raum im Bild erleben zu können, ob er sein Motiv verfremdet, abstrahiert oder nahe an der Wirklichkeit bleibt, das Motiv verlangt immer erst ein genaues Hinsehen.

Die Gratwanderung zwischen frei fließender Farbe und bewusster Steuerung der Bildgestaltung ist auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich – was will und was kann ich zulassen, wo will und muss ich Granzen setzen. In der Beschränkung auf die Darstellung des Wesentlichen und dem Eliminieren alles Nebensächlichen fällt dabei dem Weiß als „beredetem Schweigen“ eine wichtige Rolle im Bild zu. Aus dem Abbilden wird bildnerisches Gestalten.

 

Die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion sind fließende, übergängige Malprozesse. Die Vielfältigkeit von Spontaneïtät, Harmonie und gezielt eingesetzter Formen gilt es ebenso zu gestalten, wie die Grenzen auszuloten zwischen Chaos und konstruierter Bildgestaltung. Aus anfänglichen Zufällen und einer kalkulierten eigenen Bildauffassung ergibt sich im Laufe der Zeit ein persönliches Ordnungsprinzip in der Malerei sowie Raum für experimentelle Individualität. Nicht die exakte, reale Wiedergabe eines Gegenstandes steht im Vorderrund, sondern der eigene individuelle Weg.

Mario Bragato arbeitet mit Mischtechniken, wobei er mit Risikobereitschaft und Experimentierfreude an das Bild heran geht. Nichts steht von vornherein fest, das Bild wird in der Auseinandersetzung mit der Leinwand und der Farbe zum Abenteuer und Wagnis. Er arbeitet prozesshaft, geprägt von Emotionen, Intuition, Spontanïtät, und versucht so Stimmungen, innere Visionen, Empfindungen oder die pure Energie auf der Leinwand auszuleben.

 

Der Betrachter wird gezwungen eine zweite Wirklichkeit wahrzunehmen.

Eine Linie in kräftigem Rot durchwandert zarte Farbflächen, läuft hinaus und wieder hinein, um sich aufzulösen in einer weißen, wolkigen Fläche.

Das Wenige kann alles sein.

Die Anatomie des Menschen fasziniert schon seit Jahrhunderten Wissenschaftler wie Künstler. Das Aktzeichnen ist eine sehr spannende Form, sich dem Thema zu nähern, vom gegenständlichen Erfassen bis zur totalen Verfremdung der menschlichen Abbildung.

Reduktion auf die eigene Körpersprache spiegelt sich in den Bildern des Künstlers wieder.

Es steht nicht das reine Abbilden im Vordergrund, sondern ein Studium des menschlichen Körpers ist gefordert, um ein eigensinniges, tektonisches Vokabular zu erarbeiten – das „rechte Setzen der Volumina“, um die treibende Kraft zu konkretisieren. Es geht in den Bildern um das intuitive zeichnerische und malerische Erfassen von Körperbewegungen. Dabei beschäftigt sich Bragato mit wirkungsvollen Farbkontrasten genauso wie mit verschiedenen Techniken der Pinselführung, die dem Bild einen lebendigen Ausdruck geben.

 

Der Schlüssel für räumliches Denken und dessen Umsetzung in der Zeichnung liegt in der Schulung des Auges und der Beobachtungsgabe.

Wer sehen kann, kann auch Unsichtbares fühlen – künstlerische Expression in der Malerei ist der Dialog von Laut und Leise ... wenn Mario zu arbeiten beginnt, ist nicht der Strich oder die Fläche die Faszination, sondern die sich ständig in- und zueinander verändernde Beziehung. Übermalen, hervorheben, reduzieren, spielerisch mit Material und Werkzeug umzugehen, dabei emotionale Empfindungen in den Arbeitsprozess einzubinden, um eine individuelle Ausdrucksform künstlerisch darzustellen, dass sind die Arbeitstechniken von Mario Bragato.

Malerei als Möglichkeit mit Farbe und Formen zu spielen – zwischen Kalkül und Intuition zu experimentieren und deren Vielfältigkeit auszuprobieren. Spontaneïtät und Zufall als Kontrapunkt der Harmonie und Klarheit. Über eine intensive Bildbetrachtung, Reduzierung und das Einsetzen von Ordnungselementen zum individuellen Bildinhalt und zur eigenen Bildaussage zu finden, ist die Herausforderung an den Betrachter seiner Bilder. So gestaltet sich das anfängliche Chaos zur klaren Form. 

 

 

Mag. Silvia Schweighofer                                                       Kirchstetten Galerie M., 1.3.2008